„Prokrastination und andere Werte“ oder auch „Klára und der gute alte Eisenhower“

 

Heute möchte ich mal über etwas schreiben, dass mir seit ANBEGINN DER ZEIT folgt und mich beschäftigt. Mein „oh guck mal! Ein Krümel auf dem Boden! Der hat ja eine schöne Form ❤ Ob man den noch essen kann?!?“-Syndrom. Ich neige und neigte schon seit ich denken kann immer dazu, wenn ich lernen muss, mich mit anderen Dingen zu beschäftigen und komme einfach nicht zum Punkt! Und das nervt! Und das muss hier jetzt diskutiert werden!!

Wann ist es mir aufgefallen?

Puh, das fühlt sich jetzt wie ein „Outing“ in einer Selbsthilfegruppe an: „Hallo. Ich heiße Klára. Ich leide an Prokrastination.“ Prokras… was? Musst du jetzt sterben? Ist das ansteckend?

Fangen wir mal von vorne an:
Ich hatte das schon in der Grundschule. Ich war ein typisches „ADHS-Kind“ – nur gab es ADHS in den 80ern noch nicht (jedenfalls hat da noch keiner drüber gesprochen!) und ich wurde nur als „wildes und sehr lebendiges Kind mit Hummeln im Hintern“ oder auch „AK“ bezeichnet. Ich habe während meiner Hausaufgaben immer wahnsinnig viel „entdeckt“: Ein Fussel hier, ein Vogel am Fenster (da wird man dann plötzlich zum weltbesten Ornithologen!), habe mein Schulheft bemalt oder abstrakte Gebilde aus meinem Radiergummi herausgearbeitet. Aber Hausaufgaben? Fehlanzeige.

Das ich mit fast vierzig immer noch dieses „sehr lebendige Kind“ bin, damit haben selbst meine Eltern nicht gerechnet 😀

Besonders an der Uni hatte ich Schwierigkeiten. Nicht damit, mich zu konzentrieren, sondern damit überhaupt erst mit dem Lernen anzufangen. Wenn ich mich aber erst einmal in ein Thema eingearbeitet habe, dann konnte ich es auch sehr gut ausarbeiten. Jedoch saß ich oft da und beobachtete einfach ALLES was rum kreucht und fleucht. Ich begann zu backen, zu kochen, zu putzen, den Keller auszuräumen und hinter den Schränken Staub zu wischen. Ich dachte immer, ich habe echt einen an der Klatsche, bis ich vor ein paar Jahren die glorreiche Erkenntnis, dank des Internets, hatte:

Das Wort PROKRASTINATION!

Es fühlte sich plötzlich nicht mehr so an, als sei ich alleine, einsam und gestört auf der Welt. Denn da draußen gibt es viele von uns! Viele, die genau so einen an der Palme haben, wie ich! Großartig! Wir sind eine Gemeinschaft von völlig geistig desorientierten jedoch hochbegabten Abtrünnigen, welche für das Wohl der Menschheit sorgen werden. Na ja… oder so ähnlich. Jedoch hat mir diese Erkenntnis nicht sonderlich viel in der Praxis gebracht. Das Lernen fiel mir nach wie vor unglaublich schwer und ich ließ mich weiterhin sehr leicht ablenken. Prokrastination kommt übrigens von… ach, hier ein kurzes Zitat aus Wikipedia:

Prokrastination (lateinisch procrastinare „vertagen“; Zusammensetzung aus pro „für“ und cras „morgen“), auch extremes Aufschieben, ist eine Arbeitsstörung, die durch ein nicht nötiges Vertagen des Arbeitsbeginns oder auch durch sehr häufiges Unterbrechen des Arbeitens gekennzeichnet ist, sodass ein Fertigstellen der Aufgaben gar nicht oder nur unter enormem Druck zustande kommt. Dies geht fast immer mit einem beträchtlichen Leidensdruck einher.“

Und besser könnte selbst ich es nicht beschreiben. Aber kann man überhaupt dagegen angehen?

Ein Studium, das Spaß macht und der liebe Herr Eisenhower

Erst als ich das Fernstudium zum Social Media Manager an der ILS begann, wurde es dann besser. Denn mich interessierte tatsächlich alles was ich lernen musste. Natürlich hatte ich auch hier die ein oder anderen Startschwierigkeiten – außerdem war da nun meine kleine damals 1-jährige Tochter, welche mir das Lernen nicht gerade erleichterte. Aber da mir das Lernen nun richtig viel Freude bereitete, ich immer neuen Input und Hilfestellungen von der Fernschule bekam, fiel es mir tatsächlich einfacher „in die Pötte“ zu kommen.

Doch nicht nur das Studium an sich …

… hat mir geholfen, meinen Hang zur Prokrastination zu bewältigen. Ich lernte auch das Eisenhower-Prinzip kennen. Zuerst habe ich es nur auf´s Lernen angewendet. Aber da ich dazu neige, mich auch im Alltag zu „verzetteln“ habe ich langsam angefangen, es auch auf meinen Tagesablauf anzuwenden. Denn nur so habe ich die Möglichkeit, auch unter der Woche zu lernen, abends oder tagsüber, wenn das Kind schläft und nicht nur am Wochenende.

Es funktioniert ganz einfach:

1. Wichtiges und Dringliches:
Dinge, die SOFORT und von mir selbst erledigt werden müssen, erledige ich demnach auch sofort. Das bedeutet in erster Linie alle Termine welche mit Kind und Haushalt zu tun haben, wie zum Beispiel Einkaufen gehen, Spielgruppe oder Aufräumen. Auf´s Lernen übertragen steht hier das Durcharbeiten der Lerneinheiten, Lesen von Texten, Erledigen von Übungen, etc. in München an.

2. Wichtiges ohne Dringlichkeit:
Hierzu zählt alles, was ich zwar selbst erledigen muss, jedoch terminieren kann. Zum Beispiel nervige Telefonate führen, Arzttermine vereinbaren oder unliebsame Verpflichtungen verschieben. Für mein Fernstudium bedeutet dies, dass ich zum Beispiel bestimmte Artikel oder Blogbeiträge, welche ich für mein Studium als wichtig erachte, bald aber nicht sofort während dem Durcharbeiten meiner Lerneinheiten lese, sondern sie mir zum Beispiel auf den Abend, wenn ich im Bett liege, lege.

3. Unwichtiges aber Dringliches:
Diese Dinge kennt jeder: man MUSS sie machen, sonst häufen sie sich gnadenlos an, dabei hat man eigentlich keine Zeit dafür, weil man Wichtigeres zu tun hätte. Hier hilft im „Lernstress“ eigentlich nur noch das Delegieren. Egal wen du zu fassen bekommst: teile ihm eine Aufgabe zu! Muttern muss nun das Haus wischen und der Herr Gemahl abends den Abwasch erledigen und Aufräumen, während man selbst über den Büchern sitzt. Vielleicht lässt sich auch die ein oder andere Freundin dazu bringen, mal den Einkauf mit zu erledigen.

4. Unwichtiges ohne Dringlichkeit:
Gut… sprechen wir gar nicht erst darüber. Dies wandert bei mir nämlich mittlerweile sofort in die Ablage „Papierkorb“ und wird nicht erledigt. Beispielsweise Bücher, die ich mir irgendwann vorgenommen habe zu lesen, die alte Jogginghose die geflickt werden müsste, mein Rezept-Buch, welches ich neu und „schön“ gestalten wollte, … Nein! So etwas braucht man sich nicht auch noch aufzubürden. Es sei denn, man entspannt sich dabei und sieht es nicht als zusätzlichen Stressfaktor. Die Bücher laufen einem nicht weg, die alte Jogginghose sowieso nicht (na? Gecheckt? Jogginighose .. joggen … läuft nicht weg … Hm. Ok. Nicht lustig!) und ein neues Rezept-Buch kann auch bis nach den Prüfungen warten.
Ich habe mir damals eine Skizze angefertigt, die ich euch hier zeigen möchte:

EisenhowerPrinzip

Natürlich kann meine Art mit dem „extremen-Aufschieben-Syndrom“ umzugehen nicht auf alle Betroffenen übertragen werden. Bei jedem ist das anders ausgeprägt. Der eine ist schlimmer und der andere weniger schlimm betroffen. Und auch wenn ich hier mit meiner Ironie und meinem Sarkasmus nicht spare, es ist doch ein ordentliches Quäntchen Wahrheit dahinter und eigentlich auch nicht witzig. Aber hier jetzt herumzuheulen und alles schwarz zu reden bringt mich und auch euch nicht weiter.

Und daraus ergeben sich meine Fragen an euch: Arbeitet ihr auch mit einem Zeitmanagement-Prinzip? Habt ihr schon mal etwas von Prokrastination gehört? Oder seid gar selbst betroffen (keiner muss sich hier übrigens „outen“)? Wie geht ihr damit um?
Lasst es mich wissen! Das würde mich nämlich wirklich sehr interessieren.

In diesem Sinne… wünsche ich euch einen schönen und entspannten Abend. Bis bald!

Ahoj,
eure Klára

Autor: klarabloggtjetzt

Dort wo sich Kreativität und Kompetenz im Social Media begegnen - da treffen wir uns! (Mum mit hoher Social Media Affinität)

8 Kommentare zu „„Prokrastination und andere Werte“ oder auch „Klára und der gute alte Eisenhower““

    1. Hallo Regina. Oh ja… Momo und der Straßenkehrer. Ich kann mich daran erinnern, aber als Kind habe ich die Botschaft hinter der Geschichte natürlich noch nicht verstanden. Vielen Dank, liebe Regina 💖 Der Beitrag von „bestmentor“ ist wirklich großartig 😍

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  1. Hallo Klara, ich bin über den Spruch „einen an der Palme“ haben auf dieser Seite gelandet. Den habe ich gegoogled um zu sehen, ob es den gibt. Ich wollte den nämlich in einer privaten Korrespendenz benutzen. Da ich gesehen habe, dass du eine der ganz ganz wenigen im Web bist deren Gedankenwelt ebenfalls dieses Spruch kreiert hat, bin ich dann zu deiner Seite zurückgekehrt um zu sehen, wer du bist und was du so schreibst. Und Zack: Ich habe genau die gleichen Probleme mit der Proklxxxxxx wie du. Der Begriff ist mir neu, aber ich bin auch halt so etwas ADS-mäßig darauf. Mit Meditation brauch man mir nicht kommen, da werd ich verrückt 🙂 Und schreiben tue ich privat genauso ironisch und überzeichnend wie du. Sehr lustig das auch mal von einem anderen zu sehen. Mach weiter so, ich schaue mich derweil ein bisschen auf dem Blog um… Alles Gute dir und deiner Tochter

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    1. Hallo Timo!

      Wow! Erst einmal vielen lieben Dank für den großartigen Kommentar. Ich freue mich sehr darüber. Es ist unglaublich spannend zu sehen, Wie du auf mein Blog gestoßen bist.

      „Einen an der Palme haben“ 😂😂😂 ja, einige Begriffe kann ich einfach nicht für mich behalten.

      Schreibst du ausschließlich privat, oder kann man etwas von dir (im Internet) lesen? Da wäre ich nämlich beim Lesen ganz vorne mit dabei.

      Es ist auf jeden Fall schön zu sehen, dass ich nicht das einzige ADHK-Prokrastination-Kind auf der Welt bin 😂 Vor allem: Es ist so genial, dass wir den selben Humor und die selbe Art zu schreiben haben 👍🏻 Ich hoffe, dass dich mein Blog noch öfter zum Schmunzeln bringt.

      Ich wünsche dir alles Gute und nochmal vielen Dank 🌹

      Herzliche Grüße und Ahoj,
      Klára

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      1. Hallo Klara,
        nein ich habe keinen Blog. Ich schreibe nur für den privaten Gebrauch. Dann muss ich wenigsterns auch keine Angst haben, dass mich einer verklagt, weil ich gegen den DVAG-Mist verstoße 😉
        Das Eisenhower-Prinzip ist übrigens klasse. Besonders die Ablage „Mülleimer“ sollte ich auch mal öfters ausprobieren. Ich habe zwar erstmal überlegt, ob du jetzt so eine Plastik-Ablage mit der „Bezeichnung“ Mülleimer auf dem Schreibtisch stehen hast 😀 oder ob der „Papierkorb“ auch wirklich der Papierkorb unterm Schreibtisch ist. Aber ich bin mir doch jetzt sicher, dass du den Papierkorb unter dem Schreibtisch meinst 😉
        Bei mir sieht das nämlich bislang so aus: Ich versuche jede gute Idee (und ich habe viele) wie z.B. eine Buchempfehlung irgendwo zu notieren, was dann bedeutet: Notiz auf einem gelben Post-it. Wenn mein Schreibtisch dann unter gelben Post-its kaum mehr auszumachen ist, wird aus dem Post-it dann in der Regel ein Favourit im Internet-Browser, der dann in einem äußerst ausgeklügelten Ordnersystem im Nirgendwo verschwindet :D.
        Die beste Lösung wäre wahrscheinlich wirklich in den allermeisten Fällen: „Ablage Papierkorb“
        Vielen Dank für den Tipp!

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      2. Hallo Timo,

        jaaa, die liebe DSGVO. Ich kann deine Bedenken total verstehen. Bei deinen Zeilen zum Thema „Mülleimer“ musste ich so lachen 😀 Und es stimmt: ich meinte tatsächlich einen realen Mülleimer unter dem Schreibtisch. Ach ja: ich war auch so ein unter-dem-Post-It-Haufen-Untergeher!!! Teilweise fand ich Post-It´s, die ich vor JAHREN geschrieben hatte. Das war dann immer wie Weihnachten und ich habe mir einen Ast gefreut! Es ist schon erstaunlich, dass die kleinen Zettelchen plötzlich in einer anderen Dimension verschwinden und dann – wohl nach einer Zeitreise a lá Steven Hawkings Theorie – plötzlich wieder auftauchen um einen erneut in ihren Bann zu ziehen.

        Dann ist die „Ablage Papierkorb“ wahrlich die beste Lösung, bevor sie noch das System der schwarzen Löcher im Universum völlig durcheinander bringen.

        Viele lachende Grüße,
        Klára

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