16 Wochen liegen aka meine Abwesenheit aka Schwangerschaftskomplikationen par excellence aka Zeit-Totschlagen leicht gemacht (Teil 1)

Ich bin wieder da!

Der ein oder andere von euch hat sich sicherlich schon gefragt, wo ich denn so lange gewesen bin. Nun, ich habe leider keinen wunderschönen und erholsamen Urlaub auf den Malediven hinter mir oder einen mit Arbeit vollgepflasterten Terminkalender, dass ich nicht mehr wusste, wie mir geschieht. Nein. Ich bin des Liegens verdammt worden. Anders kann ich es nicht formulieren. Und eines vorweg: Nein, ich habe mir nicht das Bein, die Hüfte oder den Hals gebrochen. So gesehen, ging und geht es mir hervorragend und ich erfülle mich bester Gesundheit.

Ja, und weiter?!? Wieso musstest Du dann liegen, wenn du gesund warst?? Logik???

Nun, der Umstand war tatsächlich ein freudiger. Denn ich erwartete mein zweites Kind, auf welches ich mich übrigens sehr gefreut habe. Und da sich mein Kind ab der Hälfte der Schwangerschaft wohl ebenso auf seine Family gefreut hat, wollte es gerne schnell auf diese Welt kommen. Und schwupps, sind wir bei den klassischen Schwangerschaftskomplikationen mit Gebärmutterhalsverkürzungen, vorzeitigen Wehen und dem ganzen Spaß.

Und um alles in Schach zu halten, musste ich also liegen. Mal in den spannendsten Perinatalzentren Bayerns (zum Teil über 100km von meinem zu Hause entfernt), mal zu Hause, mal in der Klinik nebenan. Und so wird man dann doch erfinderisch, was das Zeit-Totschlagen angeht, besonders, wenn einem keine bzw. nur eine mäßige Internetverbindung zur Verfügung steht.

Außerdem bloggt es sich im Liegen tatsächlich „etwas“ unbequemer als im Sitzen. Selbstverständlich geht es, aber die Wahrscheinlichkeit anschließend auch noch Verspannungen im Nacken-/Schulterbereich zu erleiden ist dann doch ein wenig höher, als im Sitzen. Und so habe ich es lieber gleich bleiben lassen.

Aber noch unangenehmer, als die fiktiven Verspannungen, welche ich mir zuziehen KÖNNTE, wenn ich gebloggt HÄTTE, war die Tatsache, dass ich meine Hände nur bedingt über eine Tastatur habe gleiten lassen können. Immerhin habe ich in den bisherigen 15 Wochen und wenige Tage außerhalb diverser Krankenhäuser verbracht und somit hatte ich selten Unterarme ohne venöse Zugänge. Wenn diese meine Arme nicht ballonartig zuschwellen ließen, waren diese an Stellen angebracht, die es nahezu unmöglich gemacht haben, eine Tastatur adäquat bedienen zu können.

Wie ihr seht, wäre es zwar möglich gewesen zu bloggen, jedoch unter nicht ganz so optimalen Bedingungen.

Der Hauptgrund aber war, dass mir das viele Liegen unglaublich zu Kopf gestiegen ist und ich einfach keinen Nerv hatte, zu schreiben.

Natürlich war ich auch durch die vielen Medikamente, die ich einnehmen musste um die Schwangerschaft zu erhalten, sehr sediert und somit sprühte ich nicht gerade über vor Ideen, was einen Blogpost angeht.

Und jetzt?!? Musst Du nicht mehr liegen, oder was??? Wie lange musstest du denn liegen?

Nun, mittlerweile ist mein Sohn geboren und da muss ich natürlich nicht mehr liegen. Mittlerweile würde ich wieder gerne mehr liegen (bzw. SCHLAFEN!!!), aber man kann es sich halt doch nicht immer aussuchen.

Ich lag also bis zu einer „moderaten“ Schwangerschaftswoche, nämlich 34+0, da ab diesem Zeitpunkt nicht mehr so arg um das Leben meines ungeborenen Kindes gebangt werden musste. Das war ein großer Fortschritt für mich. Ich zählte die Tage bis zur 37. Schwangerschaftswoche, denn dann hieß es, dürfte ich auch wieder aufstehen! Und DAS ist etwas, was ich kaum glauben konnte.

Es war natürlich kein Kinderspiel (?!?) wieder aufstehen zu können, denn die 16 liege-Wochen haben meinem Körper ordentlich zugesetzt. Nicht nur, dass ich einige Kilos mehr zunahm, als in der ersten Schwangerschaft, nein, ich habe auch noch ordentlich an Muskulatur abgebaut. Und sich dann wieder zu bewegen, stellt eine zusätzliche Hürde zu dem riesigen Bauch dar. Aber ich fing langsam an, mich zu bewegen und schnaufte natürlich wie „The Sentinel“, wenn ich Treppen steigen musste. Aber es ging langsam aufwärts – und das war das, was zählte.

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Sag mal Klára, was macht man denn die ganze Zeit, wenn man nur liegen darf?!?

Eine gute Frage. Ich habe tatsächlich sehr vieles „unternommen“, während ich ans Bett „gefesselt“ war. Da sich das aber läppert um 16 Wochen voll zu bekommen, werde ich dies in einem separaten Blogbeitrag niederschreiben.

Soviel also zum Stand der Dinge.

Aber nun zu euch: Wie geht es euch? Sind einige von euch mit den Schwangerschaften auch so „geplagt“ gewesen? Ich hoffe zwar, dass eure Schwangerschaften schön verlaufen/verliefen und ihr diese genießen könnt/konntet, aber falls ihr auch eine Story zu verzeichnen habt, dann nur her damit. Im Moment höre natürlich am liebsten alles über Schwangerschaft und das frische Mami-Dasein.

In diesem Sinne … bleibt positiv!

Ahoj,

eure Klára

Dunkle Wolken am Schwangerschaftshimmel und ein Schmetterling…


Die Angst einer jeden Schwangeren, welche sich ein Kind wünscht ist, das Kind in den ersten 12 Wochen zu verlieren. Alle sind darauf vorbereitet. Jeder weiß, dass die ersten 3 Monate als die „drei kritischen“ gelten und jeder macht und tut, um bloß nichts falsch zu machen, behandelt sich pfleglich und denkt, er ist vorbereitet, falls denn „etwas“ passieren sollte. Frau ernährt sich gesünder, nimmt mehr Vitamine zu sich, meidet Sportarten wie Kick-boxen und färbt sich vorsichtshalber nicht mehr die Haare mit irgendwelchen Chemikalien, die evtl. auf das ungeborene Leben übergehen könnten. Es gilt das “Alles-oder-nichts-Prinzip”. Jeder weiß es. Jeder scheint vorbereitet zu sein…

Aber n i e m a n d ist vorbereitet! Denn wenn dunkle Wolken am Schwangerschafts-Himmel aufziehen, dann ist das immer ein Schock und derjenige ist plötzlich betroffen und völlig unvorbereitet. Deswegen möchte ich meine Geschichte mit euch teilen. Warum? Hm… gute Frage. Vielleicht weil ich finde, dass es nicht genug Berichte über dieses Thema geben kann, da dies jeder anders erlebt. Und wenn eine Frau selber betroffen ist, hilft ihr vielleicht meine Geschichte, die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Und wenn ich nur einer einzigen Person damit ein kleines bisschen Schmerz nehmen kann, dann hat sich dieser Beitrag mehr als gelohnt.

Tag 1: Ich habe es ganz klassisch gemerkt bzw. war es bei mir nicht zu übersehen. Um eine Blutung zu übersehen, muss man schon ganz schön ignorant sein.
Ich bin natürlich zu „Doktor Google“ gerannt um mich beruhigen zu lassen und habe ausschließlich die positiven Kommentare zum Thema „Schmierblutung in der 11. SSW“ gelesen. Und trotzdem haben mich die unzählig vielen Schwangeren, die ständig irgendwelche Blutungen haben und dann doch alles gut gegangen ist, nicht beruhigt. Jedenfalls waren die zwei Stunden, bis zum Frauenarzt-Termin, sehr anstrengend. Ich versuchte mich mit Knäckebrot backen und Lego spielen mit meiner Tochter abzulenken.

Aber: ich habe es gefühlt. Dieses merkwürdige Gefühl, welches ich bei einer Fehlgeburt schon mal hatte. Ich bin keine Zauberin und auch keine Wahrsagerin, dass will ich damit nicht sagen, aber manchmal habe ich “dieses merkwürdige Gefühl im Bauch”, dieses “Warnsystem”, welches einem nahelegt, dass irgendetwas nicht stimmt. Also gehe ich mit “meiner eigenen gefühlten Gewissheit” (und der Hoffnung, dass ich mich täusche) zum Arzt. Und wenn tatsächliche Gewissheit herrscht, trifft es einen dann leider doch erneut wie der berühmte Schlag ins Gesicht.

Ich stellte mir dann die eine oder andere Frage: hätte ich es mir denken können, dass etwas nicht in Ordnung ist, weil ich ja diesmal keine Übelkeit hatte? War es ein schlechtes Omen, dass ich meinen Mutterpass aus bürokratischen Gründen nie mitnehmen konnte und in der Praxis lassen musste? Habe ich vielleicht doch meine kleine Tochter zu oft gehoben? Ist es vielleicht möglich, dass… oder jenes… … So viele Fragen… und keine Antworten. Denn es gibt schlicht und ergreifend keine Antwort auf die Frage: WARUM?!?

Tag 2: Jetzt geht es in die Klinik. Zum “Vorstellen”. Wie das schon klingt!! Wie ein schlechtes Bewerbungsgespräch: “Guten Tag, ich bin die Klára , sie können aber gerne Fehlgeburt zu mir sagen.” ?!?

Die Anmeldung dauert nur kurz, Zettel ausfüllen wegen der Vollnarkose. Dann zieht es sich: ein kurzes Gespräch mit der Anästhesistin, warten, ein langes Gespräch mit der Assistenzärztin und wieder warten. Alle sind sehr nett. Danach folgt eine gefühlte Ewigkeit des Wartens auf den Chefarzt. Im Wartezimmer sitzt ein buntgemischtes Publikum aus Schwangeren, älteren Damen und den mitleidig dreinblickenden Fehlgeburten. Wir erkennen uns gegenseitig. Es ist wie ein geheimes Erkennungszeichen, dass uns verbindet. Es fehlt nur noch die Markierung auf der Stirn: “Klára, 11. Ssw”.

Ich bin so damit beschäftigt, diesen Blogpost hier zu verfassen, dass ich meinen Namen nur aus der Ferne wahrnehme. Der Chefarzt – eine Mischung aus Gandalf und Peter Lustig – reicht mir die Hand. “Kommen Sie bitte mit.” Die Untersuchung verläuft wie erwartet mit dem zu erwartenden Ergebnis. Ich gehe also wieder Heim, bewaffnet mit Paracetamol, gegen die Schmerzen.

Zu Hause angekommen verstecke ich mich erst einmal in der Badewanne…

Was hier nun geschah, werde ich nicht näher ausführen, das wäre sicherlich für den einen oder anderen zu viel des Guten. Ich formuliere es mal so: bei einem Niesanfall verlor ich alles was zu einer Schwangerschaft so dazu gehört im Badewasser. Das Wasser färbte sich dunkelrot… mein Mann und ich fischten noch “Bestandteile” aus dem Wasser, packten unsere Tochter ein und fuhren sofort ins Krankenhaus. Ich versuchte erfolglos mit Tüchern die Blutung zu stoppen und betete, wir mögen schnell in der Klinik sein… ich befand mich in meinem ganz persönlichen Alptraum…

Ich musste natürlich über Nacht bleiben. Infusion über Infusion… Schmerzen… Blut… und immer der Gedanke an diese kleine „Fruchtblase“, die in meinem Badewasser schwammEs besteht immernoch eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass mein Körper es alleine schafft, alles abzustoßen. Dann keine Kürettage. Klingt schon mal nicht schlecht. Denn auf diesen Vorfall noch eine OP – da habe ich definitiv gar keine Lust drauf.

Tag 3: Die OP war am nächsten Tag. Aber es sind noch 4x4cm große Plazenta-Reste vorhanden –> Kürettage unter Vollnarkose. Jetzt geht alles ganz schnell – innerhalb von 20 Minuten nach trauerdem Ultraschall liege ich auf dem OP-Tisch. Und wieder sind alle sehr nett. Ich muss nüchtern sein. Aber das ist kein Problem, das bin ich sowieso seit 20 Stunden, denn Hunger habe ich wahrlich nicht. (Obwohl… so ein Gläschen Whisky… so ein größeres Gläschen… in der Größenordnung von 0,5l oder so wären jetzt nicht schlecht!). Eingemummelt in warme Decken beginnt die „LMAA-Pille“ an zu wirken und ich schaffe es sogar, ein paar Witzchen im OP zu reißen, bevor mich die Narkose völlig ummantelt.

Danach bin ich erschlagen. Und leer. Damn! Ich fühle mich so verdammt leer…

Aber das Leben geht weiter. Klingt plakativ. Aber irgendwie MUSS ich mich wieder hoch ziehen. Eigentlich übernimmt das meine Tochter, obwohl sie noch viel zu jung für diese große Aufgabe ist. Ich bekomme von meinem Mann ein Video in dem sie ganz stolz “Mama Kankaus” (Deutsche Übersetzung: „Mama ist im Krankenhaus“) erklärt ❤ Ich freue mich auf mein zu Hause.

Tja… das war´s dann wohl… oder?: Es ist und bleibt eines der schlimmsten und machtlosesten Gefühle, die ich je erlebt habe. Ich wünsche das keiner Frau und kann jedem nur den Rat geben: sprecht darüber! Sprecht darüber oder schreibt es auf. Und weint, Mädels!!! Ihr dürft das! Wir dürfen das! Heult euch die Augen aus, schreit und brüllt, werft Gegenstände an die Wand aber behaltet dieses hässliche Gefühl der Machtlosigkeit und des Schmerzes nicht bei euch! Wir dürfen um unsere toten ungeborenen Kinder trauern – Es tut weh! Aber das ist ein Prozess, durch welchen wir nun mal gehen müssen. Und jeder geht damit anders um. Holt euch Hilfe, Mädels, es gibt viele Anlaufstellen, wie z.B. Donum Vitae aber auch das Krankenhaus, welches den Eingriff durchgeführt hat wird euch helfen. ABER MACHT ETWAS! Redet, malt oder schreibt einen Blogpost. Aber handelt – denn von alleine löst sich hier gar nichts (mehr). Und es gibt viel zu viele Frauen da draußen, die nach Jahren immer noch schmerzlichst daran zurückdenken, sich erinnern und in Angst vor der nächsten Fehlgeburt leben. Das muss nicht sein! Und was nur die allerwenigsten Wissen: wir haben nach einer Fehlgeburt Anspruch auf eine Hebamme! Das wird sogar von den Krankenkassen übernommen!

Ich für meinen Tebutterflyil schreibe. Ich schreibe darüber und ich rede. Ich weine viel und erfreue mich trotzdem an meiner Tochter, die mir mit meinem Mann gemeinsam Kraft spendet. Allein dadurch, dass sie einfach nur da sind. Und so bin ich bereit, meinen kleinen Schmetterling fliegen zu lassen… Und irgendwann, wenn die Zeit gekommen ist und wir uns danach fühlen, wird neues Leben in uns entstehen. Ohne Angst. Ohne Zweifel. Nur Leben.

Ich spare es mir diesmal, hier an dieser Stelle meine Fragerunde einzuläuten. Ich lasse das Ende einfach so stehen… und jede -/r, die/der dies liest weiß, dass sie/er nicht alleine mit diesem Schmerz im Herzen ist. Und wenn ich könnte, würde ich meine Arme ganz weit ausbreiten und euch alle ganz fest umarmen; damit wir irgendwann einmal gemeinsam loslassen können…


In diesem Sinne…

Ahoj,
eure Klára

Ein kleiner Nachtrag: Bedenkt bitte, dass dies meine ganz eigene persönliche Geschichte ist – mein Erfahrungsbericht. Ich bin weder Gynäkologin noch psychologische Beraterin. Es ist einfach nur meine Erfahrung, die ich hier mit euch teile.